Was haben die Zisterzienser mit dem europäischen Gedanken zu tun? Besonders erfreulich ist es, dass man zur Beantwortung dieser Frage eine echte Expertin für den Geschichtsunterricht am Ursulinen Gymnasium gewinnen konnte: Martina Zanner, Projektmanagerin für das Europäische Kulturerbe-Siegel im Stiftland, sprach über den Zisterzienserorden und dessen weitreichendes Wirken in Europa. Das Stiftland – die Region rund um das Kloster Waldsassen in der nördlichen Oberpfalz – steht dabei exemplarisch für diese Entwicklung.
Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand die Rolle der Zisterzienser als frühe „europäische Netzwerker“ – lange vor der heutigen Europäische Union. Ausgehend von ihrem Ursprungsgebiet in Burgund breitete sich der Orden seit dem Mittelalter über weite Teile Europas aus. Es entstand ein dichtes Netz von Klöstern, das nicht nur religiöse Impulse setzte, sondern auch wirtschaftliche, kulturelle und technologische Entwicklungen vorantrieb. Die Zisterzienser erschlossen neue Landschaften, entwickelten ausgefeilte Systeme der Wasserwirtschaft und prägten die Kulturlandschaften vieler Regionen bis heute. Zanner verdeutlichte, dass dieses Netzwerk bereits im Mittelalter einen intensiven internationalen Austausch ermöglichte: Wissen, Waren und Ideen zirkulierten über Ländergrenzen hinweg. So entstand eine gemeinsame europäische Kultur, deren Spuren bis in die Gegenwart reichen. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Projekt „Cisterscapes – Cistercian landscapes connecting Europe“, das 2024 mit dem Europäisches Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet wurde. Es vernetzt 17 zisterziensische Klosterlandschaften in fünf Ländern – Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen und Slowenien – und macht deren gemeinsames Erbe sichtbar und erfahrbar. Ziel ist es, die prägende Rolle der Zisterzienser für die Entwicklung Europas stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Auch das Stiftland spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. In verschiedenen Projekten wird die zisterziensische Kloster- und Kulturlandschaft erforscht, vermittelt und touristisch weiterentwickelt. Bildungsangebote, kulturelle Austauschprogramme und die Vernetzung mit europäischen Partnerregionen stehen dabei im Mittelpunkt. Für die Schülerinnen war dadurch deutlich erkennbar, dass Geschichte mehr als ein Blick in die Vergangenheit ist. „Am Beispiel der Zisterzienser zeigt sich, wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit schon vor Jahrhunderten funktionierte – und wie aktuell dieser Gedanke bis heute geblieben ist“, verdeutlichte Martina Zanner.























