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Genau hier setzt Voto an. Das Tool funktioniert ähnlich wie der bekannte Wahl-O-Mat, überträgt das Prinzip jedoch auf die kommunale Ebene. Die Idee, für die Landratswahl im Landkreis Straubing-Bogen Voto zu nutzen, stammt von Richard Maier, Geschäftsführer des Kreisjugendrings, und Julia Stadler, kommunale Jugendpflegerin.
Sie baten unseren Kurs im Fach Politik und Gesellschaft am Ursulinen Gymnasium unter der Leitung unseres Lehrers Fabian Schmidbauer, Thesen zu entwickeln, die junge Menschen bewegen. Und so begann unsere Projektarbeit, bei welcher wir viel Zeit investieren mussten, aber auch jede Menge dazu lernen durften.

Wie startete das Projekt?
Ziel war es, Thesen zu formulieren, die die Menschen im Landkreis tatsächlich betreffen. Viele kennen den klassischen Wahl-O-Mat, bei dem manche Fragen im eigenen Alltag kaum eine Rolle spielen. Genau das wollten wir vermeiden. Unsere Thesen sollten aktuell, gesellschaftlich relevant und lebensnah sein – Themen, zu denen jede und jeder eine Meinung haben kann.
Im Kurs sammelten wir deshalb zunächst möglichst viele Aussagen. Jede und jeder überlegte, was man im Landkreis gerne verändern würde oder zu welchen Themen man sich eine klare Positionierung der Politik wünscht.

Themenbereiche festlegen
Um die Vielzahl an Thesen zu ordnen, teilten wir sie in übergeordnete Themenfelder ein. Besonders deutlich kristallisierten sich die Bereiche Jugendbeteiligung, Tourismus, öffentlicher Personennahverkehr und Gesundheitswesen heraus. In enger Abstimmung mit dem Landkreis wurden die Aussagen zunehmend präzisiert und bis Ende November 2025 nahezu vollständig ausgearbeitet.

Umsetzungsmöglichkeiten prüfen
Ein wichtiger Teil unseres Projekts war der Besuch von Frau Aumer, Abteilungsleiterin für öffentliche Sicherheit, Jugend und Familie. Gemeinsam prüften wir, ob unsere Fragestellungen in der Zuständigkeit des Landkreises liegen und politisch umsetzbar sind. Und ja – es machte sich zunächst eine große Ernüchterung in unserem Kurs breit, denn wir lernten, dass ganz viele Dinge, die uns bewegten, nur bedingt vom Landrat beeinflussbar sind. Trotzdem wurde deutlich: Zwar kann die Kommunalpolitik nicht jedes Problem direkt lösen, doch sie kann entscheidende Impulse setzen. So kann ein Landrat zum Beispiel den Ärztemangel nicht unmittelbar beheben, aber Rahmenbedingungen schaffen, um dieser Problematik entgegenzuwirken oder sein Netzwerk einsetzen, um gemeinsam mit höheren politischen Stellen eine Lösung zu finden.

Finale Überarbeitung
Nach der Sammelphase und dem juristischen Abgleich folgte die abschließende Überarbeitung. Die Thesen wurden neu sortiert, sprachlich geschärft und inhaltlich weiterentwickelt. Ziel war es, verständliche Aussagen zu formulieren, die zugleich politische Tiefe besitzen und möglichst klar in den Aufgabenbereich des Landkreises fallen.

Austausch mit der Politik
Der Besuch der stellvertretenden Landräte Martha Altweck-Glöbl und Andreas Aichinger zeigte uns, dass politische Bildung junger Menschen ernst genommen wird. Sie beantworteten unsere Fragen zu ihren Zuständigkeiten und machten deutlich, dass sie sich auch für Themen einsetzen, die formal nicht ausschließlich in den Bereich der Kommunalpolitik fallen – insbesondere dann, wenn sie für die Bürgerinnen und Bürger relevant sind. Und – das hat uns positiv überrascht – obwohl die beiden nicht der gleichen Partei zugehörig sind, war es beiden ein ehrliches Anliegen, sich zusammen für das Wohl des Landkreises einzusetzen.

Die Auswahl der wichtigsten Thesen
In Kleingruppen wählten wir schließlich die wichtigsten Aussagen aus allen Themenfeldern aus. Durch Abstimmungen entschieden wir, welche Thesen uns persönlich am meisten bewegen und zugleich für viele andere Menschen im Landkreis von Bedeutung sein könnten. So entstanden die 20 Thesen, die wir an Julia Stadler und Richard Maier übergaben und die nun das Herzstück der Wahlentscheidungshilfe Voto sind.

Präsentation im Schlachthof
Den Abschluss des Projekts bildete eine öffentliche Präsentation am 19. Januar im Alten Schlachthof. Dort stellen wir nicht nur das Ergebnis vor, sondern auch den Entstehungsprozess: wie die Thesen entwickelt wurden, welche Überlegungen dahinterstanden und warum gerade diese Aussagen für uns wichtig sind. Im Anschluss diskutierten wir mit den anwesenden Gästen über unterschiedliche Thesen. Unserem Kurs ist es wichtig, zu zeigen, dass auch junge Menschen an Politik interessiert sind und wir hoffen, dass auch viele zur Kommunalwahl am 08. März 2026 gehen werden.

 

Übrigens: ab 04. Februar könnt auch ihr die Wahlentscheidungshilfe nutzen! 

 

Magdalena G. und Amelie M.