DSC5753Geschichte wurde am Ursulinen Gymnasium lebendig, als der Historiker Helmut Erwert aus Bogen im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs aus seinem Leben erzählte. Der 91-jährige ehemalige Lehrer schilderte den Schülerinnen eindrucksvoll seine Kindheit in der donauschwäbischen Stadt Weißkirchen (heute Bela Crkva in Serbien) und die dramatischen Ereignisse rund um die Flucht und Vertreibung seiner Familie am Ende des Zweiten Weltkriegs.

In seiner persönlichen und sehr bewegenden Rede schilderte Erwert nicht nur die Umstände der plötzlichen Flucht seiner Mutter mit drei kleinen Kindern im Herbst 1944, sondern auch das traumatische Erlebnis, als er mit nur elf Jahren beinahe seinen Flüchtlingszug verpasste und damit für immer verloren gewesen wäre. Die Szenen, die er beschrieb – etwa der Blick auf einen Plateauwagen mit einem weißen Leichentuch oder die Kugeln, die einen Pferdetransport durchschlugen, der ihren eigenen gerade noch ersetzt hatte – hinterließen tiefe Eindrücke bei den Schülerinnen.
Helmut Erwerts Vortrag war keine historische Aufzählung von Daten, sondern ein Einblick in das Schicksal einer Familie, die durch politische Gewalt auseinandergerissen wurde. Seine Erinnerungen – untermalt durch historische Bilder aus seinem privaten Archiv – machten die Geschichte für die Schülerinnen greifbar.
Im Anschluss des Zeitzeugenberichts hatten die Schülerinnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei wurden auch aktuelle politische Fragen etwa zur Rolle von Geflüchteten heute aufgegriffen. Zum Abschluss überließ Helmut Erwert mehrere seiner Bücher der Schulbibliothek des Ursulinen Gymnasiums, die die Schülerinnen mit großer Wertschätzung entgegennahmen.