Ursulinen1Am 01.12.1945 durfte der Ursulinen-Orden den Schulbetrieb wieder aufnehmen, nachdem man im Oktober den Auftrag der Stadt dazu erhalten hatte.

 

Um wieder Unterricht anbieten zu können, mussten Kranke – Räume der Schule waren während des Krieges als Ausweichkrankenhaus genutzt worden – verlegt werden, so dass Klassenzimmer zur Verfügung standen. Auch mussten Genehmigungen beim Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultur sowie der Militärregierung der Alliierten eingeholt werden.
In diesen Schreiben begründete der Orden, inwiefern man einen geordneten Schulunterricht anbieten könne. Dabei verwies man darauf, dass man sich seit 1691 in Straubing um die Erziehung der weiblichen Jugend kümmere und bis 1938 die einzige höhere Lehranstalt für Mädchen geleitet habe. Zudem würden Klassenzimmer zur Verfügung stehen, die auch in der Zeit des Nationalsozialismus als Schulräume der Städtischen Handelsschule genutzt worden waren. Des Weiteren sicherte man zu, keine Lehrpersonen und Lehrmittel einzusetzen, die den Geist der NS-Zeit vermitteln.

1938 mussten alle damaligen Ursulinenschulen geschlossen werden, da die NS-Regierung kein „Bedürfnis“ sah, diese von den Ursulinen weiterführen zu lassen. Die Schulen gingen „in städtischen Betrieb“ über, das heißt, sämtliche Schulräume mussten der Stadt zum Eigentum oder zur Miete abgetreten werden. Dies begründete man mit der „internationalen“ Weltanschauung der Klosterschwestern, die zudem „ihren Führer in Rom“ hätten. Viele klösterliche Lehrerinnen verloren damit ihr Wirkungsfeld.
In den Jahren bis 1945 waren so in den Räumen der Ursulinenschulen die Städtische Handelsschule sowie Aufbauschule und später auch ein Ausweichkrankenhaus untergebracht.

Der Konvent der Klosterschwestern war von der Ausweisung aus Straubing bzw. auch Auflösung bedroht. Nur durch Intervention des Regensburger Ordinariats konnte dies verhindert werden. 20 Klosterschwestern befanden sich dann in kleinen Außenstationen des Ordens oder gingen in die Schweiz (Ursulinenkloster Brig, Wallis) bzw. USA (Ursulinenkloster Louisville, das von Straubing aus gegründet worden war). Der Restkonvent in Straubing lebte hinter einem „hölzernen Vorhang, d.h. einer provisorischen Bretterwand, in einem ihm noch verbliebenen Teil des Klausurgebäudes.

Schwierig war in dieser Zeit auch das finanzielle Überleben der Ursulinen in Straubing. Die Schwestern von den Außenstationen sandten ihre Einnahmen. Die in Straubing verbliebenen erteilten Privatunterricht in Fremdsprachen, Buchführung, Maschinenschreiben und Kurzschrift. Andere nähten Brautausstattungen, strickten Kinderkleidung oder stopften zerrissene Militärsocken. Eine Klosterschwester leitete die städtische Heimküche, die in der Klosterküche untergebracht war, weil man ihrem Geschick und ihrer Ehrlichkeit in der Zeit großer Lebensmitttelknappheit „voll trauen konnte“. Erschwert wurde die finanzielle Lage durch die bis 1943 von der Stadt nicht geleisteten Mietzahlungen für die Schulräume.
Der Besitz der Ursulinen wurde in Straubing auch bei alliierten Bombenangriffen nicht beschädigt. Nur ein winziger Splitter traf eines der Wirtschaftsgebäude am Thurnhof.
Der Flüchtlingsstrom gegen Kriegsende führte 35 Ursulinen-Schwestern aus dem Norden und Osten nach Straubing, so dass der Konvent stark wuchs.