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Angela Merici

Zwischen 1470 und 1475 wird Angela Merici in Desenzano am Gardasee geboren. Sehr früh verliert sie ihre Eltern und ihre Schwester und sie zieht deshalb mit 17 Jahren zu ihrem Onkel nach Salos. An dem luxuriösen Leben der dortigen vornehmen Gesellschaft nimmt sie nicht teil. Stattdessen führt sie ein einfaches und religiös geprägtes Leben. In dieser Zeit schließt sie sich dem Dritten Orden des heiligen Franziskus an, einer Vereinigung, die auf Franz von Assisi zurückgeht. Sie wird also Tertiarin und kann damit auch als Laie der Kirche dienen. Als junge Frau kehrt sie in ihr Elternhaus in Desenzano zurück und führt dort ein einfaches Leben. Sie betet oder arbeitet während des Tages. 1516, mit knapp 40 Jahren, geht Angela Merici im Auftrag der Franziskaner nach Brescia. Dort soll sie einem anderen Mitglied ihres Ordens beistehen. Caterina Patengola hat gerade ihren Mann und zwei Söhne verloren. Angela soll sie trösten.

Die Stadt Brescia, in der Angela nun lebt, ist gezeichnet von Kriegsverwüstungen. Ihre Bewohner haben sich vier Jahre zuvor gegen die französische Besatzung erhoben. Soldaten mordeten und plünderten die Stadt. Die Leute, selbst die Priester, führten ein zügelloses und unmoralisches Leben. Nachdem Angela Merici Caterina Patengola neuen Lebensmut gegeben hat, lebt sie einige Zeit im Hause des jungen Kaufmanns Giovan Antonio Romano.

In dieser Zeit kommen sehr viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten zu ihr um sich von ihr Rat zu holen. Da sie die Bibel sehr gut kennt, kommen selbst Priester zu ihr um mit ihr über die Auslegung einer Bibelstelle zu diskutieren.

Im Jahre 1524 unternimmt Angela zusammen mit Romano eine Pilgerreise in das Heilige Land, die einen besonderen Verlauf nimmt und einen großen Eindruck auf sie macht.

1525 reist sie anlässlich des Heiligen Jahres mit einer Pilgergruppe nach Rom und erhält dort eine Audienz bei Papst Klemens VII, der sie bittet in Rom zu bleiben und sich dort um die Armen zu kümmern. Angela lehnt dieses Angebot ab. Sie will ihre Berufung in Brescia verwirklichen. Brescia wird wenig später durch die Armee Karls V. bedroht und Angela flieht mit Freunden nach Cremona. Auch dort strömen die Menschen zu ihr und wollen sich von ihr beraten lassen. Die Besucher verehren sie wie eine Heilige. Im Jahre 1530 kehrt sie nach Brescia zurück, dort wohnt sie unter anderem in der Nähe der Kirche San Barnaba und schließlich in einem Zimmer bei der Kirche Sant’Afra, die sie zu ihrer letzten Ruhestätte auserkoren hat.

Seit 1532 hat Angela immer wieder Frauen zu sich eingeladen und sie zu einem religiösen Leben angeleitet. Am 25. November 1535 gründet sie zusammen mit 28 Frauen die „Gesellschaft der heiligen Ursula“, die Ursulinen.

Angela verfasst für diese Gemeinschaft eine Regel, die sie ihrem Sekretär Gabriele Cozzano diktiert. Cozzano, ein Literaturprofessor und Notar, ist ihr Vertrauter und Rechtsberater. In dieser Regel ermutigt sie ihre Gefährtinnen zu einem Leben nach den Evangelischen Räten Armut, Gehorsam und Jungfräulichkeit. Ihre Gemeinschaft wächst beständig an und Angela wird zur Oberin („Madre“) der Gesellschaft gewählt. Am 27. Januar 1540 stirbt Angela Merici nach schwerer Krankheit, nachdem sie vorher noch ihre Nachfolge geregelt hat. Sie wird in Sant’ Afra beigesetzt.

Am Ende des 17. Jahrhunderts treibt erstmals eine Frau die Heiligsprechung Angelas voran, indem sie alle Dokumente über sie sammelt. Es ist Madre Maria Luisa di S. Giuseppe. Dazu reist sie kreuz und quer durch Europa. Am 30. April 1768 wird sie von Papst Clemens XIII selig gesprochen. Am 15. August 1790 wird die Heiligsprechung Angelas verkündet, aber aufgrund der schwierigen politischen Verhältnisse in der Französischen Revolution erst am 24. Mai 1807 im Petersdom in Rom feierlich vollzogen.