Sozialkunde und Sozialpraktische Grundbildung

 

Sozialkunde wird am Wirtschaft- und Sozialwissenschaftlichen Zweig in der 8., 9. und 10. Jahrgangsstufe zweistündig unterrichtet; die Schülerinnen erhalten Einblicke in die unterschiedliche Lebenswelt von Jugendlichen, erwerben ein Instrumentarium zur Analyse von Konflikten, entwickeln Empathie und Teamfähigkeit. Gesellschaftliche Werte und Normen wie etwa Toleranz, Achtung der Menschenwürde, Abbau von Vorurteilen, Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie die Grundlagen unseres Zusammenlebens in einem demokratischen Staat bilden zentrale Anliegen beider Fächer.

Nähe zur sozialen Wirklichkeit gilt als Unterrichtsprinzip. Vor allem im Fach Sozialpraktische Grundbildung – in der 10. Jahrgangsstufe als Profilfach mit drei Stunden bedacht – erfolgt durch die Praktika, die mindestens 15 Arbeitstage umfassen müssen, eine Öffnung der Schule nach außen.

Praktika

 

Ausgehend von örtlichen Gegebenheiten wird den Schülerinnen jeweils mit steigendem Anspruch die Möglichkeit geboten, soziale Kompetenzen zu erwerben:

 

  • Bereitschaft, das eigene Verhalten an sozialer Verantwortung zu orientieren
  • Kennen lernen unterschiedlicher Erziehungskonzepte
  • Bedeutung der Erziehung für das Individuum und die Gesellschaft
  • Formen und Organisationsformen sozialer Hilfe, ethische Aspekte sozialer Arbeit
  • Festigung von Toleranz, Empathie  und Verantwortungsbewusstsein
  • Entwicklung von Lebensentwürfen für die eigene Zukunft
  • Stärkung des sozialen Bewusstseins
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weitere Aktivitäten:

  • Erstellung/Auswertung von Umfragen zu aktuellen Themen
  • Expertenbefragungen
  • Besuch von Stadtratssitzungen
  • Besuch unterschiedlicher sozialer Einrichtungen
  • Informationsfahrten („Lernort Staatsregierung“)

Festakt zum 40-jährigen Jubiläum des Sozialwissenschaftlichen Zweiges

Fallt aus der Rolle
fürchtet euch nicht
werdet zu Menschen
die sich trauen
werdet freie Frauen.
Gott hat uns nicht zu Puppen bestimmt
im Marionettenspiel.
Das Leben gestalten und tragen –
die eigenen Schritte wagen.

(aus: Christa Peikert-Flaspöhler, Fallt aus der Rolle)

 

 

Zum 40-jährigen Jubiläum des sozialwissenschaftlichen Zweiges am Ursulinen Gymnasium konnte die Schulleiterin Frau Rosemarie Härtinger zahlreiche Ehrengäste begrüßen. MdB a.D. Herr Ernst Hinsken, die stellv. Landrätin Frau Barbara Unger und die Bürgermeistern Frau Maria Stelzl waren gekommen, um zusammen mit der Schulfamilie, vertreten durch Mitglieder des Lehrerkollegiums, der Schülerschaft, des Elternbeirats sowie des Förder- und Ehemaligenvereins, dieses Fest zu feiern. Für Schulstiftung, Kloster und die stiftungsinterne Realschule waren Sr. Angela, Sr. Gabriele, Sr. Ursula, Konrektor Herr Wolfgang Zankl sowie Geschäftsführer Herr Wolfgang Ernst anwesend.
In ihren Begrüßungsworten betonte die Schulleiterin Frau Rosemarie Härtinger die wichtige Rolle des Ursulinen Gymnasiums für die Entwicklung des sozialwissenschaftlichen Gymnasiums, das vor 50 Jahren bayernweit eingerichtet worden war. Sr. Angela führte diesen Schulzweig vor 40 Jahren am Ursulinen Gymnasium ein und setzte sich in den 1990er Jahren maßgeblich für dessen inhaltliche Neuausrichtung ein.
Zunächst stellte dieses Bildungsangebot sehr frauenspezifische Fächer wie Hauswirtschaft und Säuglingspflege in den Vordergrund, um vor allem in ländlichen Gegenden junge Mädchen für einen Übertritt an das Gymnasium zu begeistern und die befürchtete Bildungskatastrophe abzuwenden. In den 90er Jahren erfolgte dann eine Verwissenschaftlichung des Zweiges mit den Fächer Sozialkunde und Sozialpraktische Grundbildung. Als einzige Ausbildungsrichtung des Gymnasiums fordert dieser Zweig seitdem verpflichtende Praktika im sozialen Bereich. An der Entwicklung des damals notwendig gewordenen neuen Lehrplans wirkte auch maßgeblich Herr Heinrich Freymüller, bis 2014 Studiendirektor am Ursulinen Gymnasium, mit.
Die Festrednerin Sr. Dr. Karolin Kuhn, Schulleiterin des Theresia-Gerhardinger-Gymnasiums in München, stellte einen Zusammenhang zwischen dem Sozialwissenschaftlichen Gymnasium und Angela Merici, der Ordensgründerin der Ursulinen, her. Das Engagement für die Gesellschaft, insbesondere die Wahrnehmung der Nöte und Bedürfnisse der Armen und Schwachen, sowie das Durchbrechen traditioneller weiblicher Rollenmuster lassen sich auf Angela Merici zurückführen.
Den Schülerinnen des Ursulinen Gymnasiums wünschte sie Mut und Freiheit, sich unter anderem eigener Stärken bewusst zu werden und die eigene Meinung selbstbewusst in einer immer pluralistischeren Gesellschaft zu vertreten. Sie forderte die Schülerinnen auf, als freie Frauen ihr Leben zu gestalten und sich etwas zuzutrauen.
In der sich daran anschließenden Podiumsdiskussion, die von Herrn Friedrich Wölfl, stellv. Schulleiter a.D. des Elly-Heuss-Gymnasiums, moderiert wurde, betonten Sr. Angela, ehemalige Absolventinnen des Sozialwissenschaftlichen Zweiges, Leiterinnen von Praktikumsstellen, die Fachvorsitzende Frau Jutta Kastl-Kougianos und die Schulleiterin Frau Rosemarie Härtinger den hohen Stellenwert dieses Zweiges. Er kann als Flaggschiff für politische Bildung und praktisches Lernen gesehen werden. Zudem gelingt eine intensiviere Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Realität als dies in anderen Ausbildungsrichtungen des Gymnasiums der Fall ist.