„Blut ist ein ganz besonderer Saft..."

von links inmitten der Schülerinnen: Schauspieler Tobias Ulrich (spielte den Macbeth), Regisseur Markus Bartl und Dramaturgin Dana Dessau

Oder etwa nicht? Dieses bekannte Zitat stammt nicht von William Shakespeare, sondern es sagt dies Mephisto in Goethes Drama „Faust", einem anderen Klassiker der Weltliteratur. Bei der Menge an „Theaterblut", die bei der Inszenierung von „Macbeth" durch das Landestheater Niederbayern auf der Bühne vergossen, ja z.T. eimerweise verschüttet wurde, kann man die oben angeführte Aussage durchaus anzweifeln. Entsprechend geschockt zeigten sich die Schülerinnen der Oberstufe des Gymnasiums der Ursulinen-Schulstiftung unmittelbar nach dem Besuch dieser Vorstellung, in der weitere Brutal- bzw. Ekelszenen zusätzlich für Verwirrung sorgten. So war man auf die Nachbesprechung dieser Aufführung mit Dramaturgin Dana Dessau, Regisseur Markus Bartl sowie Hauptdarsteller Tobias Ulrich, der sich an seinem freien Tag extra Zeit genommen hatte, um zu den Ursulinen zu kommen, äußerst gespannt.

In einer angeregten Diskussion erhielten die Mädchen von den Theaterprofis elementare Informationen zu diesem Werk, Shakespeares Sprache und natürlich auch zum Hintergrund dieser Inszenierung.

„Wir wollten nichts beschönigen, eine klare Haltung zeigen. Wenn jemandem die Kehle durchgeschnitten wird, fließt eben Blut", so der Regisseur gleich zu Beginn des Gesprächs.

Zugegeben, Schock und Ekel wechseln beim Erleben dieser Inszenierung von Shakespeares düsterstem und blutrünstigstem Drama immer wieder, so dass sich manche gewollt zum Schmunzeln reizenden Momente (z.B. wenn sich die Schauspieler auf der Bühne in den Wald von Birnam verwandeln) für Publikum und Akteure geradezu als notwendig erweisen, um bei diesen Gewaltorgien manchmal etwas „durchschnaufen" zu können.

Macbeth, ein - leider - zeitloses Stück von einem grandiosen Dichter mit großartig agierenden Schauspielern in einer mutigen, unter die Haut gehenden Inszenierung des Landestheaters Niederbayern, wird den Schülerinnen – auch durch die interessante Nachbesprechung - sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Und weil nicht alle Rätsel gelöst werden können, ist die Philosophie von Markus Bartl durchaus zutreffend: „Theater ist keine Erkläranstalt, kein Museum; Theater lebt." Deshalb darf der mündige Zuschauer durchaus selbst seine Phantasie walten lassen, wenn ihm manche Bühnenhandlungen auf den ersten Blick unverständlich erscheinen.